Der buddhistische Befreiungsweg - Die Vier Edlen Wahrheiten

Worin liegt der Sinn meines Lebens? Wie kann ich mehr Frieden, Harmonie und Freude in meinem Leben entwickeln? Wie kann ich Neid, Hass, Wut, Gier, Angst überwinden, die mich so oft zu leidvollen Verhaltensweisen treiben? Wo kann ich wahrhaftig Glück und Zufriedenheit in dieser zerbrechlichen Welt finden? Es sind diese und ähnliche Fragen, auf die Siddhattha Gotama eine Antwort suchte und die in unserer heutigen modernen Gesellschaft noch genauso dringlich sind.

Nach Jahren intensivster Meditation entdeckte der Buddha einen Weg, der seine Fragen beantwortete und ihm eine andere Art eröffnete, in der Welt zu sein. Er beschrieb diesen Weg in den Vier Edlen Wahrheiten.

Die Erste Edle Wahrheit benennt das Leiden. Kurz umrissen "mit dem zu sein, was ich nicht mag, und nicht mit dem zu sein, was ich mag". In diesem Ausspruch kann ich meinen Zustand nur allzu oft wiederfinden. Auf der immer neuen Suche nach Erfüllung, immer wieder der Kampf, mich von etwas, das unangenehm ist, zu entfernen.

Die Zweite Edle Wahrheit zeigt die Ursache auf. Sie liegt nicht in den Dingen, die nicht passen, an jemanden, der mal wieder Schuld daran ist, sondern an meiner inneren Beziehung zu dem, was ist: Ich hafte an. Das heißt, ich will, dass das Angenehme so bleibt, wie es ist, und das Unangenehme schnellstmöglich vergeht. Meine Gedanken drehen sich um beides. Das ist mit Anhaften gemeint und erreicht viele subtile Stufen.

Wenn ich dieses Anhaften loslassen kann, dann kann ich wie Buddha eine Freiheit erfahren. Das heißt, ich kann gelassen, heiter, zufrieden sein, ganz gleich was ist. Das höchste Glück beschrieb Buddha als inneren Frieden. Der Frieden, der entsteht, wenn der Kampf aufhört gegen das, was ist. Das ist die Dritte Edle Wahrheit.

Die Vierte Edle Wahrheit beschreibt den Weg, den wir gehen können, um zu diesem inneren Frieden zu gelangen und die Ursachen unseres Leidens zu erkennen und aufzulösen. Dazu gehört die Entwicklung unserer Ansichten, inneren Haltung, wie wir reden, handeln und womit wir unseren Lebenserwerb bestreiten und nicht zuletzt die Entwicklung einer geistigen Präsenz, die es uns erlaubt, unseren inneren Prozess wahrzunehmen. Das heißt, wir üben uns in achtsamen Gewahrsein und Konzentration und bemühen uns darum, die tiefen leidbringenden Tendenzen in unserem Geist aufzulösen.

Das Mittel der Wahl ist Einsicht. Einsicht in das Wesen unseres Geistes, des Lebens, wie Leiden entsteht, warum es entsteht, wie es sich auflösen kann, gewinnen wir durch unser direktes Beobachten unserer eigenen inneren Erfahrungen. Dies tun wir mit Hilfe der Vipassana-Meditation.

Der buddhistische Weg umfasst somit ein breites Spektrum an Übungsfeldern. Meditation dient der Schulung des Geistes und Herzens. Unsere inneren Erkenntnisse wollen aber sodann in unser normales Leben integriert werden. Dazu gehört die Entwicklung einer offenen Haltung, die sich ausdrückt in großzügigem Geben, Teilen, Helfen (Dana) und in ethischem Verhalten (Sila). Studieren, Hinterfragen, Meditieren gehören zum Weg wie auch Anwenden, Ausprobieren, Einüben. Ein Weg, der uns ein Leben lang begleiten mag und uns immer wieder leiten kann zu einem Leben, das von Liebe, Mitgefühl und Weisheit erfüllt ist.